Bluesfasching 2008
Eb Davis
 

EB Davis wurde 1945 in Elaine geboren, einem kleinen Dorf im Arkansas Delta. Er wuchs in Memphis auf und reiste in den 60er Jahren nach New York, wo er lange Zeit arbeitete bevor er schließlich nach Europa kam.

Meine ersten musikalischen Erfahrungen machte ich im Gospel, denn das war die einzige Musik, die damals bei uns zu hause erlaubt war. Als ich sechs oder sieben Jahre alt war und von der Schule nach Hause kam, hörte ich Jim Hunt, unseren alten Nachbarn, der auf seiner Terrasse saß und eine riesige akustische Gitarre spielte. Ich hatte vorher niemals so eine große Gitarre gesehen und war erstaunt über die für mich völlig neuen Klänge, also lief ich über die Straße, um ihm zuzuhören. Ich war fasziniert von seinem Gesang und dem Sound seiner Gitarre - diese Art von Musik hatte ich noch niemals vorher gehört. Später lief ich nach hause und fragte meine Mutter, was für eine Musik das sei. Statt mir zu antworten, verbot sie mir, dort wieder hinzugehen und sagte, ich solle mich davon fernhalten. [...] Also fing ich an, Jim heimlich zu besuchen. Ich hatte mich in diese Musik verliebt.

Als EB ungefähr vierzehn Jahre alt war verließ er Arkansas, um bei Verwandten in Memphis zu leben. Memphis war zu dieser Zeit eine brodelnde Bluesmetropole. Während er sich tagsüber mit kleinen Jobs über Wasser hielt, schummelte er sich nachts in die Clubs, um den Bluesmeistern zu lauschen.

In Memphis lebte ich nur für die Wochenenden. Ich lungerte auf der Beale Street herum und im nahegelegenen Handy Park, wo sich die Musiker zu wöchentlichen Jam Sessions trafen. Hier hörte ich die ganz Großen des Blues, wie zum Beispiel Bobby Bland, B.B. King, Junior Parker, Albert King ...! Von Ihnen lernte ich die wichtigsten Grundregeln des Business: Arbeite hart, gib' immer Dein Bestes, unterhalte Dein Publikum und achte auf Dein Äußeres. Die Leute zahlen ihr schwer verdientes Geld, um Dich zu sehen.

In Memphis traf EB einen New Yorker Club Besitzer, Eugene Godston, mit dem er sich bald anfreunden sollte. Er folgte Eugene nach Brooklyn, New York, um in dessen Club zu arbeiten.

Im 521 Club arbeitete ich zunächst als Aushilfe, Geschirrspülen, Tische wischen, Müll heraustragen u.s.w... Später ließen sie mich gelegentlich singen und als ich meine Band 'The Soulgroovers' gegründet hatte, wurden wir die Hausband des Clubs. [...] Wir spielten viele der damals angesagten Songs, was auch immer die Leute damals hören wollten, ein bißchen Blues, aber hauptsächlich Soul. Gute 70% Soul.

EB und die 'Soulgroovers' wurden bald zu einer der wichtigsten Bands der Soul- und Blues-Ära. Regelmäßige Touren mit Rufus Thomas, Wilson Pickett, Isaac Hayes, Ray Charles und B.B. King machten die Band in ganz Amerika bekannt. Nachdem sich die Gruppe Jahre später auflöste, stiegen einige der Musiker bei James Browns 'JBs' ein, andere schlossen sich Isaac Hayes' Gruppe an. EB selbst arbeitete zunächst als Free-Lancer, wurde aber kurze Zeit später Mitglied der 'Drifters'. Die Gruppe tourte viel und so kam Eb erstmals nach Europa.

 Ich hatte nicht geplant, in Europa zu bleiben. Eigentlich wollte ich nach der Tour wieder zurück in die Staaten. Aber es gab da diese Band namens 'The Bayou Blues Band'. Eines nachts nach einer Show sprach mich der Bandleader der Gruppe (Wolfgang Ruegner)an und fragte, ob ich mir vorstellen könne, als Leadsänger für sie zu arbeiten. Es handelte sich um eine neun-köpfige Band, die zu der Zeit viele Auftritte in den Top-Häusern in Deutschland hatte und dazu noch einen erstklassigen Ruf. Also sagte ich: "Na Klar!". Das war etwa 1980 und ich blieb bei ihnen bis '83, '84.

Eins führte zum Anderen und EB arbeitet zunächst als Frontmann der ‚Bayou Blues Band‘, etwas später mit den Radio Kings und gründet dann schließlich ‚The Superband‘, mit der er bis heute erfolgreich zusammenarbeitet.

Ein paar Highlights aus EB’s Karriere, ein Stück Blues - Geschichte:

  • mehr als 7000 Konzerte in über 60 Ländern
  • Auftritte in der Staatsoper Posnan (Polen) und Bratislava (Tschechei)
  • Wiederholte Konzerte beim Amsterdam Blues Festival (Holland) , Apollo Theatre (New York/USA) Deutsch – AmerikanischesVolksfest (Berlin), Tennis Meisterschaften Stettin (Polen), King Biscuit Blues Festival (USA) ..... und viele mehr
  • Seminare und Lesungen über die Geschichte des Blues und dessen Einfluß auf die zeitgenössische Musik in ganz Europa (auf Anfrage des US State Department)
  • Gastspiele in den Ostblock Ländern, Entertainment russischer Soldaten kurz vor und auch nach dem Mauerfall
  • 19 eigene CDs und verschiedene Produktionen mit EB als Gaststar
  • Mick Taylor (‚Rolling Stones‘), Guitar Crusher und andere produzieren und singen EBs Songs
  • Soundtrack - Kompositionen und Gastauftritte in Filmproduktionen (z.B. „The Innocent“ mit Anthony Hopkins
Seine Auftritte bei Jazz - und Rock - Festivals/Clubs als erster Bluesact schrieben Geschichte und ebneten den Weg für viele lokale und internationale Bluesbands in ganz Europa (z.B. A-Trane Jazz Club in Berlin oder Jazzclub Minden).

Wer mehr über EB erfahren möchte, sollte sich das Interview mit Living Blues besorgen (#147, sept./oct.1999)

www.ebdavis.com

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